Am 19. Februar 2026 fand die Auftaktveranstaltung unserer Veranstaltungsreihe Klimagerechtigkeit unter dem Titel „De-Risking the planet: Wie Kapital globale Klimagerechtigkeit finanziert“ online statt. Zur Einführung stellten Ute Sudmann, Bereichsleiterin zukunftsfähiger Finanzflüsse von Germanwatch e.V. und Jessica Bodmann, Head of Oikocredit Germany aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Best Practices rund um Klimafinanzierung und Klimagerechtigkeit vor. Mit insgesamt 55 Teilnehmenden diskutierten sie anschließend Fragen zur Klimagerechtigkeit und Klimafinanzierung.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für das große Interesse und den spannenden Austausch.
Zunächst führte Ute Sudmann, Bereichsleiterin zukunftsfähiger Finanzflüsse von Germanwatch e.V. in die grundlegenden Zusammenhänge der Thematik Klimagerechtigkeit ein. Germanwatch e.V. setzt sich für eine zukunftsfähige globale Entwicklung ein. Mit zahlreichen Grafiken belegte Ute Sudmann, dass die entwickelten Länder die Hauptemittenten von klimaschädlichem CO2 sind, während die Entwicklungs- oder Schwellenländer am stärksten unter den Auswirkungen wie Dürren und Überschwemmungen leiden. Dabei haben die Entwicklungs- und Schwellenländer im Vergleich einen geringen CO2-Ausstoß pro Kopf. Frau Sudmann fasste zusammen, dass zur Klimafinanzierung die fünffache Menge des Geldes nötig wäre, welches zum aktuellen Zeitpunkt eingesetzt wird. Unter Klimafinanzierung werden sowohl die Vermeidung als auch die Adaptation verstanden, welches auf die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zielt.
Im Anschluss stellte Jessica Bodmann, Head of Germany bei Oikocredit, konkrete Praxisbeispiele aus den Tätigkeiten von Oikocredit vor. Oikocredit ist eine Genossenschaft, die bei Finanzierungen eine nachhaltige Entwicklung als Kriterium zugrunde legt. Frau Bodmann zeigte hierzu beeindruckende Zahlen auf. So hat Oikocredit durch seine Finanzierungsaktivitäten im Jahr 2024 beispielsweise 608.900 Tonnen CO2 eingespart und 7,64 Millionen Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen. Die vier Bereiche der Klimafinanzierung von Oikocredit sind hierbei (1) die Schaffung einer klimaresistenten Infrastruktur, (2) nachhaltige Lebensmittelsysteme, (3) Carbon Finance für Gemeinden, Kleinbäuer*innen und MKMU und schließlich (4) technologiegestützte Plattformen und Ökosystem-Gestalter. Zentral ist hierbei, wie Jessica Bodmann es treffend formulierte: „Die Klimakrise ist Lebensrealität für viele Menschen im globalen Süden. Was können wir tun?“
Die Vorträge erhielten großen virtuellen Applaus und durch die anschließende Fragerunde und Diskussion wurden die Inhalte tiefergehend kritisch beleuchtet und die Themenspanne zur Klimagerechtigkeit noch breiter aufgespannt. Teilnehmende verwiesen auf die Bedeutung von technischen und wirtschaftlichen Argumenten neben der ethisch-theoretischen Argumentation zur Klimafinanzierung. So verdeutlichte ein Teilnehmer, dass Klimafinanzierung nicht nur eine theoretische Idee bleiben, sondern sich in der Praxis auch rechnen müsse und gerade hierfür sei Oikocredit das perfekte Beispiel. Jessica Bodmanns Praxisbeispiele hatten ihn überzeugt. Weitere Teilnehmerstimmen zeigten auf, dass wirtschaftliche Argumente insbesondere ausschlaggebend seien angesichts der aktuellen politischen Lage. Erneuerbare Energien seien günstiger und insofern seien die derzeitigen politischen Rückschritte in den USA und der EU wirtschaftlich ohne nachvollziehbaren Grund. Die Lobbyarbeit von Unterstützern der fossilen Energien scheinen in dieser Hinsicht erfolgreich gewesen zu sein (Buchtipp aus dem Publikum: Susanne Götze, Die Sicherheitslüge). Nachhaltigkeit und Klimawandel haben in der aktuellen Politik und auch aufgrund der zahlreichen akuten Krisen kaum noch einen hohen Stellenwert im Alltag (Buchtipp aus dem Publikum: Christian Stökker, Männer, die die Welt verbrennen).
Weitere Aspekte der Diskussion waren der tatsächliche Kapitalbedarf und das notwendige Zusammenspiel von privaten und öffentlichen Investitionen. Beispielsweise sei die Zeit der Fertigstellung von einem lokalen Projekt zur Stromgenerierung abhängig von der öffentlichen Infrastruktur zur Einspeisung in die gemeinschaftlichen Stromleitungen. Öffentliche Gelder werden insbesondere für Klimaanpassungsmaßnahmen wie Frühwarnsysteme oder Hochwasserschutz benötigt, da hier keine oder nur kleine Renditen zu erwarten sind, die keine privaten Investor:innen anziehen. Die öffentlichen Mittel wachsen auch in dieser Hinsicht leider nicht in dem erforderlichen Maße. Claudia Tober, Geschäftsführerin von cric e.V. stellte die abschließende Frage, warum wir diese große Finanzierungslücke haben. Weitere Teilnehmende betonten außerdem die Bedeutung landwirtschaftlicher Projekte unter dem Aspekt der Biodiversität und den Ausbau von Bildungsprojekten zur Sensibilisierung und Aufklärung zum Klimawandel und einer Ausbildung in geeigneten Maßnahmen zur Vermeidung und Anpassung.
Wir haben im Nachgang äußerst positive Rückmeldungen zur Veranstaltung erhalten. Die nächsten Veranstaltungen sind in Planung. Melden Sie sich gerne direkt für die nächsten Veranstaltung zum Thema Klimagerechtigkeit an und schnuppern Sie in unseren Wissensressourcen nach spannenden Informationen.
Wissensressourcen zur Veranstaltung stehen Ihnen unter den folgenden Links zur Verfügung:
- Präsentationsfolien von Ute Sudmann, Germanwatch e.V.
- Präsentationsfolien von Jessica Bodmann, oikocredit
- Link zur Veranstaltungsreihe Klimagerechtigkeit
Bei cric e.V. stehen Claudia Tober und Sissy-Ve Basmer-Birkenfeld für weitere Fragen und Anregungen zur Verfügung.
Die Veranstaltungsreihe wird
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mit Mitteln des:

Quelle Titelbild: Foto von micheile henderson auf Unsplash